Eine Website funktioniert jeden Tag – bis sie es plötzlich nicht mehr tut. Ein fehlerhaftes Update, eine beschädigte Datenbank, ein kompromittiertes WordPress-Plugin, menschliches Versagen oder ein technischer Ausfall können ausreichen, um eine Website teilweise oder vollständig lahmzulegen.
In diesem Moment entscheidet nicht mehr, ob irgendwo ein Backup vorhanden ist. Entscheidend ist, ob sich die Website daraus tatsächlich und in vertretbarer Zeit wiederherstellen lässt.
Genau hier liegt der Unterschied zwischen einer einfachen Datensicherung und einer durchdachten Backup- und Disaster-Recovery-Strategie.
Was bedeutet Disaster Recovery bei einer Website?
Disaster Recovery bezeichnet die Massnahmen, mit denen Systeme und Daten nach einem schwerwiegenden Ausfall wieder in einen funktionsfähigen Zustand gebracht werden.
Bei einer Website kann ein solcher Vorfall beispielsweise entstehen durch:
- Hardware- oder Speicherausfälle
- fehlerhafte WordPress- oder Plugin-Updates
- beschädigte Datenbanken
- Malware oder kompromittierte Websites
- versehentlich gelöschte Dateien
- Fehlkonfigurationen
- Probleme beim Hosting-Anbieter
Ein Backup ist dabei ein wichtiger Bestandteil, aber noch keine vollständige Disaster-Recovery-Strategie.
Backup und Disaster Recovery sind nicht dasselbe
Ein Backup beantwortet zunächst nur die Frage: Existiert eine Kopie meiner Daten?
Disaster Recovery geht einen Schritt weiter: Wie bekomme ich aus dieser Kopie wieder ein funktionierendes System?
Bei einer WordPress-Website reicht es beispielsweise nicht, nur die hochgeladenen Bilder zu sichern. Für eine vollständige Wiederherstellung werden unter anderem die WordPress-Dateien und die Datenbank benötigt.
Hinzu kommen je nach Umgebung Konfigurationen, DNS-Einstellungen, SSL-Zertifikate oder andere Komponenten.
Deshalb ist die wichtigste Frage nicht: „Haben wir Backups?“
Sondern: „Können wir unsere Website aus diesen Backups zuverlässig wiederherstellen?“
Warum ein Backup auf demselben System problematisch sein kann
Eine Sicherung bietet nur dann Schutz, wenn sie vom ursprünglichen System ausreichend unabhängig ist.
Liegt das einzige Backup beispielsweise auf demselben Server wie die produktive Website, kann ein schwerwiegender Ausfall beide gleichzeitig betreffen.
Dasselbe gilt für kompromittierte Systeme: Erhält ein Angreifer weitreichenden Zugriff, können unter ungünstigen Umständen auch lokal gespeicherte Sicherungen betroffen sein.
Eine durchdachte Backup-Strategie berücksichtigt deshalb die Trennung zwischen Produktivsystem und Sicherung.
Die 3-2-1-Regel als Orientierung
Eine bekannte Grundregel für Datensicherungen ist die sogenannte 3-2-1-Backup-Regel.
Vereinfacht bedeutet sie:
- 3 Kopien der wichtigen Daten
- auf 2 unterschiedlichen Speichermedien oder Systemen
- davon mindestens 1 Kopie getrennt vom primären Standort
Nicht jede kleine Website benötigt zwangsläufig eine komplexe Enterprise-Backup-Infrastruktur.
Das Grundprinzip bleibt jedoch sinnvoll: Das Backup sollte nicht vom selben Fehler betroffen sein können wie das Original.
Wie häufig sollte eine Website gesichert werden?
Die richtige Backup-Frequenz hängt davon ab, wie häufig sich die Daten einer Website verändern.
Bei einer weitgehend statischen Vereins- oder Informationsseite kann eine andere Strategie sinnvoll sein als bei einem stark frequentierten WooCommerce-Shop.
Ein Online-Shop verändert beispielsweise laufend:
- Bestellungen
- Kundenkonten
- Lagerbestände
- Zahlungsinformationen und Statusdaten
Je mehr Daten zwischen zwei Sicherungen entstehen, desto grösser kann der Verlust bei einer Wiederherstellung sein.
RPO und RTO: Zwei Begriffe, die das eigentliche Risiko beschreiben
Bei professionellen Backup-Konzepten werden häufig zwei Kennzahlen verwendet: RPO und RTO.
RPO – Recovery Point Objective
Das RPO beschreibt vereinfacht, wie viel Datenverlust im schlimmsten Fall akzeptabel wäre.
Wird beispielsweise einmal täglich gesichert, können theoretisch Änderungen seit der letzten Sicherung verloren gehen.
Für eine einfache Website kann das akzeptabel sein. Für einen aktiven Online-Shop möglicherweise nicht.
RTO – Recovery Time Objective
Das RTO beschreibt, wie lange ein System maximal ausfallen darf, bevor es wiederhergestellt sein sollte.
Auch hier unterscheiden sich die Anforderungen erheblich.
Eine private Website kann möglicherweise einige Stunden oder länger offline sein. Bei einem geschäftskritischen Online-Shop kann bereits eine kurze Ausfallzeit Umsatz kosten.
Warum mehrere Backup-Versionen wichtig sind
Ein einzelnes aktuelles Backup reicht nicht immer aus.
Das Problem: Ein Fehler oder eine Kompromittierung kann bereits seit mehreren Tagen unbemerkt bestehen.
Wird täglich nur eine einzige Sicherung überschrieben, kann irgendwann auch das Backup bereits den fehlerhaften oder kompromittierten Zustand enthalten.
Versionierte Backups ermöglichen dagegen, auf einen älteren Zustand zurückzugehen.
Deshalb sind mehrere Wiederherstellungspunkte ein wichtiger Bestandteil einer guten Backup-Strategie.
Ein Backup ist erst gut, wenn die Wiederherstellung funktioniert
Einer der häufigsten Fehler besteht darin, Backups zwar automatisch erstellen zu lassen, aber niemals zu prüfen, ob sie tatsächlich verwendet werden können.
Eine erfolgreiche Backup-Meldung bedeutet noch nicht automatisch, dass daraus eine komplette Website fehlerfrei wiederhergestellt werden kann.
Deshalb sollten Backup-Systeme und Wiederherstellungsprozesse regelmässig überprüft werden.
Weitere Grundlagen dazu finden Sie in unserem Ratgeber: Backup-Strategien: Was wirklich wichtig ist .
WordPress stellt besondere Anforderungen an Backups
WordPress besteht nicht nur aus Dateien. Ein grosser Teil der Website befindet sich in der Datenbank.
Dort liegen beispielsweise:
- Beiträge und Seiten
- Benutzerkonten
- WordPress-Einstellungen
- Plugin-Konfigurationen
- WooCommerce-Daten
Eine vollständige WordPress-Sicherung muss deshalb Dateien und Datenbank berücksichtigen.
Gerade vor grösseren Updates oder Änderungen ist ein aktueller Wiederherstellungspunkt besonders wichtig.
Was passiert bei einem gehackten WordPress?
Bei einem Sicherheitsvorfall ist eine Wiederherstellung komplexer als nach einer versehentlich gelöschten Datei.
Einfach das letzte Backup einzuspielen kann problematisch sein, wenn dieses bereits Schadcode enthält oder die ursprüngliche Sicherheitslücke weiterhin besteht.
Zuerst muss deshalb geklärt werden:
- Wie wurde die Website kompromittiert?
- Seit wann besteht der Angriff?
- Welcher Wiederherstellungspunkt ist noch sauber?
- Wurde die ursprüngliche Schwachstelle geschlossen?
Mehr dazu erklären wir im Beitrag: WordPress gehackt – was jetzt? .
Hosting-Backup und zusätzliches Website-Backup
Ein Hosting-Backup und eine zusätzliche, separate Website-Sicherung erfüllen nicht zwingend dieselbe Aufgabe.
Das Hosting-Backup dient typischerweise der Wiederherstellung innerhalb der bestehenden Hosting-Umgebung.
Eine zusätzliche Backup-Lösung kann dagegen eine weitere unabhängige Sicherungsebene schaffen.
Ob eine solche zusätzliche Absicherung notwendig ist, hängt vom Wert und der Kritikalität der Website ab.
CodeGuard als zusätzliche Backup-Ebene
Für Websites, bei denen eine zusätzliche und vom eigentlichen Webhosting getrennte Sicherung gewünscht wird, kann eine externe Backup-Lösung sinnvoll sein.
CURIAWEB bietet dafür unter anderem CodeGuard an.
CodeGuard kann Websites unabhängig vom eigentlichen Hosting regelmässig sichern und Veränderungen überwachen. Dadurch entsteht eine zusätzliche Backup-Ebene, die nicht ausschliesslich von der Backup-Infrastruktur des Webhostings abhängig ist.
Das ist beispielsweise interessant, wenn eine Website bei einem anderen Anbieter gehostet wird oder wenn für eine besonders wichtige Website eine zusätzliche Sicherung gewünscht ist.
Weitere Informationen: CodeGuard Website Backup .
Was hat Datenschutz mit Backups zu tun?
Backups können personenbezogene Daten enthalten. Deshalb müssen sie bei einem Datenschutzkonzept genauso berücksichtigt werden wie die produktiven Systeme.
Relevant sind unter anderem:
- Zugriffsschutz
- Aufbewahrungsdauer
- Speicherort
- Schutz vor unberechtigtem Zugriff
- Lösch- und Wiederherstellungsprozesse
Eine Datensicherung ist deshalb nicht automatisch eine vollständige Datenschutzmassnahme. Sie ist ein Bestandteil eines umfassenderen technischen und organisatorischen Sicherheitskonzepts.
Was passiert, wenn der gesamte Hosting-Anbieter ausfällt?
Auch diese Frage gehört zu einer realistischen Risikoanalyse.
Wer vollständig von einem einzigen Anbieter, einem einzigen Zugang und einer einzigen Backup-Infrastruktur abhängig ist, sollte zumindest wissen, wie im Ernstfall auf die eigenen Daten zugegriffen werden kann.
Bei geschäftskritischen Websites kann deshalb eine zusätzliche, vom Hosting unabhängige Sicherung sinnvoll sein.
Damit lässt sich eine Website im Extremfall auch in einer anderen Hosting-Umgebung wiederherstellen.
Ein Hosting-Wechsel kann Teil der Notfallstrategie sein
Wenn sich dauerhaft Probleme mit Performance, Stabilität, Sicherheit oder Support zeigen, sollte nicht erst auf einen Totalausfall gewartet werden.
Ein kontrollierter Hosting-Wechsel ist wesentlich einfacher als eine Migration unter Zeitdruck während eines Notfalls.
CURIAWEB übernimmt bei einem Wechsel die Migration bestehender Websites für Neukunden gratis.
Mehr dazu: Hosting-Wechsel mit gratis Umzugsservice .
Welche Backup-Strategie ist die richtige?
Es gibt keine Backup-Strategie, die für jede Website identisch sein muss.
Eine sinnvolle Lösung orientiert sich am tatsächlichen Risiko.
Dabei sollten insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:
- Wie wichtig ist die Website für mich oder meine Organisation?
- Wie häufig ändern sich die Daten?
- Wie viel Datenverlust wäre akzeptabel?
- Wie lange dürfte die Website ausfallen?
- Wie viele ältere Wiederherstellungspunkte benötige ich?
- Wo befinden sich die Backups?
- Kann die Website auch auf einer anderen Infrastruktur wiederhergestellt werden?
- Wurde die Wiederherstellung schon einmal getestet?
Eine kleine private Website, eine Vereinswebsite, eine Unternehmensseite und ein WooCommerce-Shop können deshalb völlig unterschiedliche Anforderungen haben.
Fazit: Nicht das Backup zählt, sondern die Wiederherstellbarkeit
Backups gehören zu den wichtigsten Grundlagen eines zuverlässigen Website-Betriebs.
Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht, ob irgendwo eine Sicherung existiert.
Entscheidend ist, ob die richtigen Daten gesichert werden, wie aktuell die Sicherungen sind und ob sich daraus im Ernstfall eine funktionierende Website wiederherstellen lässt.
Eine gute Disaster-Recovery-Strategie berücksichtigt deshalb nicht nur Backups, sondern auch Wiederherstellungszeiten, Versionierung, Unabhängigkeit vom Produktivsystem und regelmässige Tests.
Je wichtiger eine Website ist, desto weniger sollte ihre Wiederherstellung dem Zufall überlassen werden.

